Vom Ursprung bis zum aktuellen Standard (Teil 1 von 2)
Was man über Audio-Interfaces wissen sollteSeite: < 1 2 3 4 5 >
Vom Gestern ins Heute
Audio-Interfaces – die Funktionsweise
Die Nutzung einer Soundkarte als Synthesizer
ist die eine Sache, die Aufnahme von
externem Audiomaterial die andere. Professionelle
Recording-Interfaces benötigen
in der Regel keine Klangerzeugung: Hier
wird der Fokus eher auf guten Klang,
Qualität und Flexibilität gelegt. Das soll
aber nicht heißen, dass Soundkarten
schlechter klingen als Audio-Interfaces
oder umgekehrt, denn im Grunde genommen
handelt es sich bei beiden Versionen
schlicht und einfach um das gleiche
Gerät!
Ein Audio-Interface stellt lediglich
eine externe Version der Soundkarte dar,
die aufgrund des größeren Gehäuses mehr
Funktionen aufnehmen kann, als sein
Komplementär. Der wesentliche Unterschied
liegt also in der Bauform sowie
dem Anschluss, über den die Audiodaten
in den Computer gelangen.Während
Soundkarten über PCI- oder mittlerweile über den neueren PCIe-Bus
angeschlossen werden können, werden
Audio-Interfaces eher über USB, FireWire
oder CardBus/PCMCIA betrieben, um sie optional auch mobil mit einem Laptop
einsetzen zu können. Doch wo liegen hier
die Unterschiede? Schauen wir uns einmal
die Eckdaten der verschiedenen Schnittstellen
an.
Der Daten-Bus
Zur Anbindung eines Audio-Interfaces an
ein Hostsystem stehen grundsätzlich verschiedene
Schnittstellen zur Auswahl.
Diese Schnittstellen werden auch als
Busse bezeichnet. Ein Bus ist ein System
zur Datenübertragung zwischen den Teilnehmern
A und B über einen gemeinsamen
Übertragungsweg. Sendet das Audio-
Interface Daten an den Computer, wird
ein kontinuierlicher Datenstrom hergestellt,
der die Daten in schneller Abfolge
in kleine Pakete zerteilt und an den Speicher
des Computers schickt. Je nach Bus-
Familie werden die Datenpakete in unterschiedlichen
Geschwindigkeiten
übertragen.Wie schnell der jeweilige Bus
sein muss, richtet sich nach der Datenrate,
die transportiert werden muss.
Zuallererst etwas Theorie – die Datenrate
Als Ausgangspunkt betrachten wir doch
zunächst die Datenrate des CD-Formats
mit einer Samplingfrequenz von 44.1 kHz
und 16 Bit Wortbreite. Für einen Kanal
(Mono) betrachtet ergibt dies grob gerechnet:
- 16 Bit x 44.1 kHz = 705600 Bit/s = (705600 Bit/s)/(1x106) x 1 Kanal = 0,71 MBit/s
Bei Stereo ergibt das eine Datenmenge von etwa 1,41 MBit/s. Somit sollte eine Schnittstelle also mindestens 1,5 MBit/s verwalten können, um zwei Spuren Audiomaterial in CD-Qualität zu übertragen. Bei gleichzeitigem Abhören von zwei Kanälen verdoppelt sich diese Zahl.
Aufgrund der Größenordnungen, in der Audiomaterial normalerweise auch noch verarbeitet wird, ergeben sich zusätzlich die folgendenWerte (Werte gerundet):
- 24 Bit x 44.1 kHz = 1058400 Bit/s
= (1058400 Bit/s)/(1x106) x 1 Kanal
= 1,06 MBit/s
- 24 Bit x 48 kHz = 1152000 Bit/s
= (1152000 Bit/s)/(1x106) x 1 Kanal
= 1,15 MBit/s
- 24 Bit x 96 kHz = 2304000 Bit/s
= (2304000 Bit/s)/(1x106) x 1 Kanal
= 2,3 MBit/s
- 24 Bit x 192 kHz = 4608000 Bit/s
= (4608000 Bit/s)/(1x106) x 1 Kanal
= 4,61 MBit/s
Das würde also bedeuten, dass für die Aufzeichnung von acht Kanälen in 96 kHz und 24 Bit mindestens eine Datenrate von ca. 18,4 MBit/s (2,3 MBit/s x 8 Kanäle) zur Verfügung stehen müsste. Bei gleichzeitiger Wiedergabe wären es ca. 36,8 MBit/s. Somit wären also alle Bus-Geschwindigkeiten über USB 1.1 (siehe Grafik) bereits mehr als ausreichend dimensioniert. Allerdings ist nicht nur die Geschwindigkeit des Busses für ein schnelles Interface ohne Latenz entscheidend – doch hierzu später mehr.
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PRAXIS