Zwischen Monokompatibilität und Phasenfehler
Wie man einen Korrelationsgradmesser richtig liestSeite: 1 2 >
Immer wieder kommt die die Frage nach der Monokompatibilität bei Audioproduktionen auf. Da heißt es wie selbstverständlich: Wenn der Korrelationsgradmesser im rechten Teil bleibt ist alles gut. Doch die wenigsten wissen, dass der Korrelationsgradmesser von den ARD-Rundfunkanstalten ausschließlich für die Kontrolle von Signalen bei "Intensitäts"-Stereofonie, also bei Stereofonie nur mit Pegeldifferenzen ohne Laufzeitanteil, konzipiert wurde und im eigentlichen Sinne bei komplexen Signalen gar nicht zuverlässig über den eigentlichen Wert der Monokompatibilität entscheiden kann.
Zuerst ein wenig Hintergrundwissen:
Zu den Zeiten, als beim Rundfunk ausschließlich Intensitäts-Stereofonie geduldet wurde, konnte anhand des Korrelationsgrades unkompliziert erkannt werden ob eine Produktion nicht ausreichend monokompatibel angeliefert wurde. Wurde aber ein komplexeres Signal angeliefert - das beispielsweise aus verschiedenen Mikrofonierungsarten mit Laufzeitdifferenzen entstanden ist - konnten Werte entstehen, die leicht in den negativen Bereich, also in den Bereich „unter 0“ ausschlugen. Diese Produktionen wurden von den Rundfunkanstalten seinerzeit rigoros abgelehnt und postwendend an den Absender zurückgeschickt, da sie die Monokompatibilität angeblich nicht gewährleisten konnten. Dennoch wurden zugleich Produktionen, die einfach nur extrem weit auseinander gepannt wurden anstandslos als "kompatibel" durch die Qualitätskontrolle gelassen, auch wenn sie deutlich schlechter klangen als die ersten.
Man kann also als ersten wichtigen Punkt festhalten, dass ein Korrelationsgradmesser eigentlich nur bei der Kontrolle von Pegeldifferenzen ohne Laufzeitanteil einen „richtigen“ Wert anzeigt und sogar durch „geschicktes“ Panning problemlos ausgetrickst werden kann.
Aber es geht noch weiter: Nicht nur dass der Korrelationsgradmesser nur auf Pegel reagiert, er zeigt außerdem immer nur einen gemittelten Wert, der über einen durchschnittlichen Zeitraum von etwa 0,5 Sekunden gemessen wird an. Somit werden Pegelspitzen von dem Gerät gar nicht erst erkannt und Audiosignale ausschließlich nur als „RMS“ Pegel gemessen.
Das heiß also, dass impulshafte - also z.B. kurzzeitige gegenphasige Signale - vom Gerät komplett übersehen und gar nicht erst angezeigt werden.
Daher sind Aussagen, die der Korrelationsgradmesser bei Laufzeit-Stereofonie oder bei gemischter Stereofonie macht nicht nur irreführend sondern – wenn überhaupt – nur als Anhaltspunkt zu gebrauchen.
Aber warum hat dann jedes gute Studio so ein Gerät?
Weil es trotzdem funktioniert!
Tiefe Frequenzen (mit größeren Wellenlängen) sind aufgrund der weniger ins Gewicht fallenden Laufzeitunterschiede meistens korreliert und können wie eine Intensitäts-Stereofonie vom Korrelationsgradmesser ausgelesen werden. Somit kann also trotzdem ein annähernd „richtiger“ Wert angezeigt werden, wenn auch die Höhen-Anteile nicht berücksichtigt werden.
Der Korrelationsgradmesser als Kontrollinstrument, am Besten in Kombination mit einem Stereosichtgerät (mit dem komplexe Zustände der Phasenlage viel präziser angezeigt werden können) bietet also durchaus einen zuverlässigen Überblick. Aus den oben genannten Gründen sollte das Messgerät den Druck auf die "Mono"-Taste am Pult - mit
anschließenden genauen hinhören dennoch nicht restlos ersetzten.
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PRAXIS