Weg vom Presetdenken

Wie man einen Kompressor richtig einstellt – oder wo fange ich am Besten an?

 

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Sonntag, 17. Juli 2011
Rubrik: PRAXIS

So viel zum Hintergrund:

Wie wird der Kompressor nun eingestellt?

1. Threshold:

Der beste Weg zur Einstellung eines Kompressors ist es, erst einmal den Arbeitspunkt des Kompressors kennen zu lernen. Es sollte daher also zuerst mit der Einstellung des Thresholds begonnen werden. Um den Threshold richtig einzustellen, sollte zuerst eine sehr hohe Ratio und eine sehr schnelle Releasezeit, sowie eine sehr schnelle Attackzeit eingestellt werden. So ist es möglich, den Kompressor wirklich bei der Arbeit zu sehen und dadurch abzuschätzen, wo die einzelnen Werte überhaupt angesiedelt sind. Viele Geräte haben schließlich nicht gerade die beste Beschriftung- und eine Norm der Parameter existiert auch nicht.

Nun dreht man den Threshold solange herunter, bis die Anzeige-Instrumente richtig Wirkung zeigen und sich kräftig bewegen. So findet man einen Punkt, der inmitten des musikalischen Materials liegt und ermöglicht es somit dem Kompressor durchgängig genügend Pegel zum Arbeiten zu haben. Als ein guter Wert für eine Summenbearbeitung - z.B. beim Mastering - (bei einer guten und homogene Mischung im Pop-Bereich) hat sich eine Threshold-Einstellung bei einer Pegelreduktion von um die 5dB herausgestellt. Dies kann allerdings immer von Musikstil und Mischung schwanken.

Möchte man den Kompressor allerdings nur benutzen um Pegelspitzen abzufangen, so sollte der Threshold nur soweit heruntergenommen werden, bis das Meter nur bei den Spitzen, die man bearbeiten möchte zuckt. So kann über die Anzeige-Instrumente genau nachverfolgt werden in welchen Bereich der Kompressor arbeitet.

Dieses Vorgehen stellt sicher, dass der Arbeitspunkt des Kompressors optimal im richtigen „Aktionspunkt“ der Musik untergebracht ist.

Eine Besonderheit:

Mache Kompressoren verfügen allerdings nicht über einen Threshold im klassischen Sinne. Ein schönes Beispiel dazu ist der Universal Audio 1176LN - hier wird der Arbeitspunkt über den Input-Gain gesteuert. Der 1176 arbeitet dabei mit einem fixierten Threshold, der sich je nach eingestellter Ratio verändert.

Die Einstellung des Arbeitspunktes ist aber im Grunde identisch mit dem eines gewöhnlichen Thresholds - nur das hier am Input Gain gedreht wrid und sich der Parameter nicht so genau einstellen lässt wie bei einem Modell mit einem richtigen Threshold. Der Arbeitspunkt kann aber über das Metering recht genau abgeschätzt werden.

Ohne Threshold: Input, Output, Attack, Release und feste Ratio-Werte die per Druckschalter eingeschaltet werden können - Der Klassiker: 1176LN (Bild: S.E.A.Vertrieb)
Ohne Threshold: Input, Output, Attack, Release und feste Ratio-Werte die per Druckschalter eingeschaltet werden können - der Klassiker: 1176LN (Bild: S.E.A.Vertrieb)

Ist der Arbeitspunkt bestimmt und der Threshold entsprechend eingestellt, ist der Release-Regler an der Reihe:

2. Release

Um die Releasezeit richtig einstellen zu können ist es hilfreich den Ratio-Wert vorerst auf einem hohen Wert zu belassen. Damit werden unerwünschte Effekte, wie Bass-Verzerrungen und Pumpen besser hörbar. Startpunkt des Release-Reglers ist hier eine Einstellung von etwa 500 bis 600ms

Bei diesem Wert sollte nun ein Pumpeffekt nach jeder Ausregelung des Kompressors bei einer Pegel-Spitze hörbar werden.

Nun reduziert man langsam die Releasezeit so lange, bis die hörbaren Pumpeffekte gerade verschwunden sind. Hierbei ist es wichtig möglichst nahe an den Punkt heranzukommen, wo kein Pumpen mehr hörbar ist. Aber Vorsicht: Stellt man eine zu kurze Releasezeit ein, resultiert dies nicht in einer weiteren Verbesserung der Regelung sondern in einer Erhöhung der Verzerrungen im Bassbereich. Diesen Punkt kann man nur durch Hören ermitteln. Also im Idealfall so lange vorsichtig herunter regeln, bis das Signal sauber im Bassbereich klingt, aber nicht mehr pumpt.

3. Ratio

Nun kann man sich um die Ratio kümmern. Diese sollte nach den Vorgaben des Audio-Signals eingestellt werden und nicht nach irgendwelchen Tabellen, die besagen, dass Vocals generell eine 4:1 Komprimierung erfordern. Sicher gibt es Geräte, bei denen das hervorragend funktionieren mag, aber um welche Geräte es sich dabei handelt wird meistes nicht kommuniziert. Daher stellen Sie den Ratiowert so ein, dass Ihr Signal nicht plattgedrückt wird, sondern immer noch ein wenig Dynamik mitbringt. Das gilt besonders bei der Summenbearbeitung!

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Tags Tags: Kompressor, Enstellen, Preset, Input-Gain, Threshold, Attack, Release, Ratio, MakeUp-Gain, proaudio, tontechnik, tonstudio


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Reinhard Wirtz schrieb am 12.08.2011 um 22:44 Uhr:

Best practise Beitrag und sehr praxisnah - eine tolle Hilfe! Danke
"Hank" schrieb am 02.07.2012 um 04:10 Uhr:

Autor: "Hank"
Dies ist wirklich ein klar und kompetent das Thema Kompressor behandelnder Artikel.
Sehr schön, Herr Haitz, haben Sie es doch damit geschafft, dass sich meine musikbegeisterte 15jährige Nichte nach der Lektüre nun voll Elan mit meinen guten, alten dbx 166A auseinander setzen will und tut - anstatt in den Presets ihrer VST-Plugins zu suchen und sie einfach nur auszuprobieren.
Der jungen Dame Kommentar nach dem lesen: Das ist ja so was von fett!
Das macht Lust auf mehr!
Und Ihnen nochmals vielen Dank!!
H. Kress
bmagic schrieb am 17.01.2013 um 13:39 Uhr:

Autor: bmagic
Super Artikel, so kann man den Kompressor perfekt einstellen, mir stellt sich nur noch die Frage wie ich den Effekt einbinde ? Wenn ich Mikros komprimieren will, schleife ich den Kompressor dann über den Effektregler raus und zurück und so womöglich 3-4 Mikros über den gleichen Kompressor Kanal oder wird jedes Mikro sozusagen am Kompressor angeschlossen und durchgeschleift und der OUTPUT dann erst mit dem Mischpultkanal verbunden.
Für eine kurze Stellungnahme wäre ich dankbar.
"Gast" david moessmer schrieb am 06.04.2013 um 08:46 Uhr:

bmagic also kompressoren werden nicht ueber effektwege oder auxen geschloffen sondern ueber die inserts
Hubert-Paul Martin schrieb am 22.08.2013 um 12:16 Uhr:

Hallo Herr Haitz,

vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel über das Einstellen von Kompressoren. Endlich mal ein kleiner Grundkurs über die am häufigsten auftretenden Fragen! Leider haben viele heutige Geräte sog. voreingestellte Kompressorstufen, bei denen man nur den "Threshold" und/oder "Speed" einstellen kann. Ich habe eine Bose T1 Audio Engine, das ist ein kl. 5-Kanal Mischpult mit Effekten und hier gibt es nur diese 3 voreingestellten Kompressortypen: "Light", "Medium" und "Heavy" mit den möglichen Einstellparametern Treshold und Speed. Die Bedienungsanleitung gibt leider nichts her. Wie stellt, oder verändert man aber diese Kompressionstufen für die jeweiligen Anwendungen wie Z.B. Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Gesangsmikrofon ein? Noch präziser gefragt: Wie bekomme ich einen bestimmten, gewünschten Effekt (z.B. mehr Druck für die Stimme, mehr Druck für leise Gitarrenpassagen) eingestellt? Als Musiker hat man ja keine allg. Ausbildung in der Tontechnik! Für eine kurze Stellungnahme wäre ich Ihnen sehr dankbar.

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