Weg vom Presetdenken

Wie man einen Kompressor richtig einstellt – oder wo fange ich am Besten an?

 

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Sonntag, 17. Juli 2011
Rubrik: PRAXIS

Attack:

Als Attack-Zeit wird die Zeit bezeichnet, die die Kompressions-Stufe des Kompressors braucht um überhaupt aktiv zu werden. Wenn beispielsweise ein kurzer Peak einer Snare nur 50 ms lang ist und der Kompressor auf eine Attackzeit von 300ms eingestellt ist, ist der Peak schon durch den Teil des Kompressors „durchgerutscht“ der für die Kompression verantwortlich ist, ohne das überhaupt ein Regelvorgang aktiv wurde. Je schneller die Attackzeit Einstellung, desto kürzere Peaks und Transienten können „abgefangen“, also durch den Kompressor bearbeitet werden.

Release:

Wenn bei einem Kompressor der Pegel unter den Threshold-Wert fällt, wird das Signal nicht mehr im Kompressor bearbeitet. Der Release-Wert gibt also die Zeit an, die die Kompressions-Stufe des Kompressors benötigt um wieder von seinem Regelvorgang auf das 1:1 Signal herunterzufahren.

Technisch gesagt ist die Release-Zeit die Ausschaltzeit der Gain-Reduction-Stufe, die nach Unterschreiten des eingestellten Thresholds vergeht, bevor das Signal auf das ursprüngliche Verhältnis von 1:1 zurückgeregelt wird.

Übersichtlich: Alle wichtigen Parameter wurden nebeneinander positioniert und durch eigene Bereiche wunderbar von zusätzlichen Optionen getrennt - der S2 von Drawmer. (Bild: S.E.A.Vertrieb)
Übersichtlich: Alle wichtigen Parameter wurden nebeneinander positioniert und durch eigene Bereiche wunderbar von zusätzlichen Optionen getrennt - der S2 von Drawmer. (Bild: S.E.A.Vertrieb)

Ratio:

Wenn der Kompressor in den Bypass geschaltet wird läuft das Signal 1:1 durch das Gerät hindurch. Wird der Bypass deaktiviert, also der Kompressor eingeschaltet, gibt die Ratio das Kompressionsverhältnis an. Bei einer Ratio von 2:1 bedeutet dass, das wenn 10 dB in das Gerät hineingehen, am anderen Ende nur 5 wieder herauskommen. (10 dB / Ratio 2 = 5dB).

Output- (oder MakeUp-) Gain:

Bei einer Kompression wird das Signal durch die Verdichtung der Dynamik auf einen anderen Pegel gebracht. Im Regelfall wird das Signal bei einer starken Kompression deutlich leiser und muss im Pegel angepasst werden, bevor es auf die nächsten Bearbeitungsstufe trifft. Um diesen Pegelunterschied auszugleichen, wurde daher eine zusätzliche Verstärker-Stufe in den Ausgang integriert, die es ermöglicht „kosmetische“ (daher der Begriff „MakeUp-Gain“) Korrekturen im Pegel zu ermöglichen.

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Tags Tags: Kompressor, Enstellen, Preset, Input-Gain, Threshold, Attack, Release, Ratio, MakeUp-Gain, proaudio, tontechnik, tonstudio


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Reinhard Wirtz schrieb am 12.08.2011 um 22:44 Uhr:

Best practise Beitrag und sehr praxisnah - eine tolle Hilfe! Danke
"Hank" schrieb am 02.07.2012 um 04:10 Uhr:

Autor: "Hank"
Dies ist wirklich ein klar und kompetent das Thema Kompressor behandelnder Artikel.
Sehr schön, Herr Haitz, haben Sie es doch damit geschafft, dass sich meine musikbegeisterte 15jährige Nichte nach der Lektüre nun voll Elan mit meinen guten, alten dbx 166A auseinander setzen will und tut - anstatt in den Presets ihrer VST-Plugins zu suchen und sie einfach nur auszuprobieren.
Der jungen Dame Kommentar nach dem lesen: Das ist ja so was von fett!
Das macht Lust auf mehr!
Und Ihnen nochmals vielen Dank!!
H. Kress
bmagic schrieb am 17.01.2013 um 13:39 Uhr:

Autor: bmagic
Super Artikel, so kann man den Kompressor perfekt einstellen, mir stellt sich nur noch die Frage wie ich den Effekt einbinde ? Wenn ich Mikros komprimieren will, schleife ich den Kompressor dann über den Effektregler raus und zurück und so womöglich 3-4 Mikros über den gleichen Kompressor Kanal oder wird jedes Mikro sozusagen am Kompressor angeschlossen und durchgeschleift und der OUTPUT dann erst mit dem Mischpultkanal verbunden.
Für eine kurze Stellungnahme wäre ich dankbar.
"Gast" david moessmer schrieb am 06.04.2013 um 08:46 Uhr:

bmagic also kompressoren werden nicht ueber effektwege oder auxen geschloffen sondern ueber die inserts
Hubert-Paul Martin schrieb am 22.08.2013 um 12:16 Uhr:

Hallo Herr Haitz,

vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel über das Einstellen von Kompressoren. Endlich mal ein kleiner Grundkurs über die am häufigsten auftretenden Fragen! Leider haben viele heutige Geräte sog. voreingestellte Kompressorstufen, bei denen man nur den "Threshold" und/oder "Speed" einstellen kann. Ich habe eine Bose T1 Audio Engine, das ist ein kl. 5-Kanal Mischpult mit Effekten und hier gibt es nur diese 3 voreingestellten Kompressortypen: "Light", "Medium" und "Heavy" mit den möglichen Einstellparametern Treshold und Speed. Die Bedienungsanleitung gibt leider nichts her. Wie stellt, oder verändert man aber diese Kompressionstufen für die jeweiligen Anwendungen wie Z.B. Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Gesangsmikrofon ein? Noch präziser gefragt: Wie bekomme ich einen bestimmten, gewünschten Effekt (z.B. mehr Druck für die Stimme, mehr Druck für leise Gitarrenpassagen) eingestellt? Als Musiker hat man ja keine allg. Ausbildung in der Tontechnik! Für eine kurze Stellungnahme wäre ich Ihnen sehr dankbar.

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