Kleines Gesangs-ABC für ProduzentInnen - Teil 9
Kopfhörersound - Ordentlich was auf die Ohren?Seite: < 1 2 3 4 5 6 >
Keine Frage: Auch die Wahl des Kopfhörers ist von Bedeutung – und daher werde ich das Thema „Hardware“ hier natürlich nicht gänzlich auslassen: Während Klang, Lautheit und Tragekomfort dem individuellen Geschmack der jeweiligen KünstlerInnen unterliegen können (zu „Klang“ jedoch weiter unten noch ein wenig mehr) – so gibt es doch einige meist allgemein gültige Grundsätze. Die besten Erfahrungen habe ich persönlich bisher mit „halboffenen Kopfhörern“ (z.B. AKG K 240 DF) gemacht – auch wenn des öfteren „geschlossene Kopfhörer“ für Gesangsaufnahmen empfohlen werden: Die „geschlossenen Kopfhörer“ (z.B. „Drummer-Kopfhörer“ wie Beyerdynamic DT 770 MR) sind „aufnahmetechnisch“ oft dankbarer: Entsprechende Empfehlungen kommen daher auch oft aus Tontechnikkreisen – und nicht von SängerInnen.
Geschlossene Kopfhörer verhindern bekannterweise sehr effektiv die Kopfhörerübersprechung auf das Mikrofon – genau dies freut TontechnikerInnen, wird jedoch den SängerInnen oft zum Verhängnis: Die Wahrnehmung des Raumklanges (mehr zu diesem Thema in 14 Tagen) spielt im Gesang nämlich eine sehr wichtige Rolle. Raumreflektionen werden durch geschlossene Systeme aber nahezu völlig eliminiert, was zur Folge hat, dass u.a. die gesangliche Intonation oft leidet.
Ein Kompromiss bei dieser Problematik wäre das berühmte „Kopfhörer absetzen auf einem Ohr“ (obschon dies nicht allen KünstlerInnen gleich gut liegt – zu Recht, wie wir sehen werden). Unnötig zu erwähnen, dass man dabei den Sound der abgesetzten Kopfhörermuschel stummschalten sollte – sonst nützt alle Theorie der „übersprechungsfreien Aufnahmetechnik“ nix ;-) Zu dieser oft üblichen Vorgehensweise (ein Ohr frei) sei jedoch kurz folgender Gedanke angeführt: Das rechte Ohr versorgt vornehmlich die linke Hirnhälfte mit „Input“ – das linke Ohr hingegen vornehmlich die rechte Hirnhälfte. Der rechten Hirnhemisphäre werden dabei eher Aspekte wie ganzheitlich, intuitiv, und integrativ zugesprochen, der linken hingegen eher rationale, analytische und beurteilende Aspekte (dies bezieht sich auf Rechtshändigkeit; bei Linkshändigkeit verhält es sich oft – wenn auch nicht immer – umgekehrt). Dies ist selbstverständlich nur eine sehr grobe Unterteilung, da die Hirnforschung hier immer noch in den Anfängen steckt und Hirnprozesse sicherlich komplexer als Klassifizierungen wie „Links und Rechts“ sind (!). Zu bedenken ist desweiteren, dass die rechte Hirnhälfte (wiederum bei rechter Laterialität) eigentlich bei der Identifikation von Tönen und Melodien überlegen ist und im besonderen Maße darauf spezialisiert ist, Verbindungen zwischen den Obertönen eines Tones herauszufinden. Obschon auch die linke Hirnhälfte zu gewissen Anteilen bei der Melodiewahrnehmung und der Analyse harmonikaler Zusammenhänge aktiv ist, so liegt ihre wesentliche Stärke – im Falle unserer Melodie – eigentlich in der Analyse der rhythmischen Phrasierung – also der rhythmischen Muster. Warum eigentlich so oft „eigentlich“?
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