Erweiterte Beschreibung:
Artikelpreview:
Wenn man heute die verkauften Stückzahlen aller Anbieter digitaler Mehrspurmaschinen addiert, so kommt man sicherlich leicht über die Tausendergrenze. Tausend - das ist schon ein Faktor. Keine Randerscheinung mehr. Anfang Dezember unternahm ich eine kleine dreitägige Informationsreise durch Münchener Studios, um Meinungen zu diesem Thema aus erster Hand zu sammeln - Entscheidungsgründe, praktische Erfahrungen, Wünsche, Pros und Kontras. Daß die Gespräche manchmal in eine nicht vorhersehbare Richtung abdrifteten, wurde von mir und auch von meinen Gastgebern als durchaus willkommene Abwechslung empfunden. Meine Gesprächspartner waren Andrea Andergast, Inhaberin der Rainbow Studios, Martin Wöhr, Tonmeister Technik beim Bayerischen Rundfunk, Rolf-Peter Schröder, technischer Leiter der Beta-Technik, einem Unternehmen der Kirch Gruppe, Hans Menzel, Studio Manager der Arco Studios und Conny Jahn, Tonmeister in Ralph Siegels Olympia Studios - eine Namensliste also, die die verschiedensten Anwendungsbereiche und Produktionsumfelder der Video- und Filmtonnachbearbeitung, des Live-Mit-schnitts und der Produktion im Bereich der klassischen Musik, des Tonstudio-Vermietungsbetriebs und des Produzenten-Studios repäsentiert.
Als aktuelle Entwicklung der digitalen Mehrspurtechnik spielt zwangsläufig die 3348, die 48-Spur-Maschine von Sony eine besondere Rolle in meinen Gesprächen. Drei der besuchten Studios arbeiten bereits mit dieser DASH-Maschine der neuesten Generation, die während der AES New York bereits ihre erste und wahrscheinlich vorläufig auch einzige Konkurrenz in Form der Studer D 820 MCH 48-Spur erhielt. Die erste Installation einer Sony 3348 in Deutschland konnte Andrea Andergast im Rainbow Studio für sich verbuchen. Das Rainbow entstand 1980 mit einem Harrison Mischpult der 32er Serie und analoger 24-Spur-Technik als Betrieb, der bis heute sowohl Eigenproduktionen als auch Fremdvermietungen durchführt. 1984 wurde das Equipment um eine zweite Studer A80 24-Spur mit TLS-4000-Synchronizer für verkoppelten 48-Spur-Betrieb erweitert. Vor etwa zweieinhalb Jahren wurde das Harrison gegen ein 56-kanaliges Solid State Logic SL 4000 E ausgetauscht; fast eine Verpflichtung, die man als erfolgreich produzierendes Tonstudio mit vielen Chart-Erfolgen seinen Kunden gegenüber hat.
Der Schritt zur digitalen Aufzeichnungstechnik war allerdings trotzdem nicht einfach und Überlegungen in diese Richtung setzten schon sehr früh ein. "Ich habe es mir wirklich nicht leicht gemacht mit der digitalen Technik", so Inhaberin und Produzentin Andrea Andergast, "denn viele Toningenieure sagten, digital hätte nicht nicht mehr die Power für Pop-Musik. Und dann der abschreckend hohe Preis. Am Anfang sollte eine digitale Sony 24-Spur ja noch um die 400.000 Mark kosten. Das war für mich absolut indiskutabel. Auch die 32-Spur-PD-Maschinen von Otari und Mitsubishi waren teuer. Dazu kam das Problem, daß wir statt 48-Spur analog nur noch 32, wenn auch digitale, Spuren gehabt hätten. Als ich dann erfuhr, daß eine 48-Spur von Sony kommt, war ich erstmals wirklich interessiert. Für mich war eigentlich der ausschlaggebende Punkt, daß wir zunehmend Anfragen für digitale Produktionen bekamen. Zum Beispiel wollte die Firma CBS eine Ute Lemper LP mischen, die in Los Angeles von Roscoe Beck aufgenommen worden war. Für diese Produktion habe ich mir zwei Sony 24-Spur-Maschinen ausgeliehen. Und mitten in die laufende Mischung hinein kam dann die 48-Spur, sozusagen im fliegenden Wechsel. Innerhalb eines halben Tages war der Austausch perfekt. Für den amerikanischen Misch-Ingenieur Steven Strassman war das eine tolle Sache, da er vorher noch nicht mit der Maschine gearbeitet hatte. Er konnte zuerst gar nicht glauben, wie schnell sie ist. Obwohl er bereits die 3324 A kannte, die ja auch nicht gerade zu den Langsamsten gehört, fühlte er sich selbst im Vergleich hierzu immer noch so, als ob er in einem Sportwagen säße, wie er selbst gerne sagte. Ich muß ehrlich sagen, daß ich froh über meine Entscheidung bin, obwohl sie mir aufgrund der hohen Investitionskosten wirklich nicht leicht gefallen ist." Daß eine Steigerung der Aufzeichnungsqualität oft weitere Investitionen nach sich zieht, war für Andrea Andergast logische Konsequenz: "Fast gleichzeitig habe ich auch noch die alten JBL-Monitore gegen Questeds ausgetauscht, von denen heute fast jeder Ingenieur sagt, daß man sie haben muß. Und weil wir schon einmal dabei waren, hat Bernhard Lachner schließlich auch noch den Aufnahmeraum umgebaut, ihn lebendiger gemacht." (...)
|
Aktuelle Kommentare: